Wenn du in den letzten Jahren über private Altersvorsorge nachgedacht hast, kam vermutlich irgendwann der Satz: Riester lohnt sich für dich nicht. Zu teuer, zu starr, Garantiezwang frisst die Rendite. Genau dieses Kapitel wird jetzt geschlossen.

Was beschlossen ist

Die Reform der privaten Altersvorsorge ist durch, der Bundesrat hat im Mai zugestimmt. Ab dem 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ab. Die wichtigsten Eckpunkte: ein staatlich gefördertes Depot ohne Garantiezwang, in dem du in Fonds und ETFs anlegen kannst, Zulagen von bis zu EUR 540 im Jahr, und die Förderung steht ausdrücklich auch Selbständigen offen. Das ist der eigentliche Punkt für dich, denn als Gesellschafter-Geschäftsführer:in warst du bei der geförderten Vorsorge bisher oft außen vor oder auf Umwege angewiesen.

Getrennt davon läuft die Frühstart-Rente: EUR 10 monatlich vom Staat in ein Depot für jedes Kind ab 6 Jahren. Hier ist der Stand ein anderer, es gibt bisher nur beschlossene Eckpunkte, das Gesetz soll im Laufe des Jahres folgen und rückwirkend zum 1. Januar 2026 wirken. Geplant, noch nicht beschlossen.

Wo das Depot in deine Gesamtstrategie passt

Als GmbH-Inhaber:in hast du mehr Vorsorgewege als Angestellte, und genau das macht die Entscheidung komplexer. Du kannst Gewinne ausschütten und privat anlegen. Du kannst Vermögen in der GmbH aufbauen und dort investieren. Du kannst über die GmbH eine betriebliche Altersvorsorge gestalten. Das Altersvorsorgedepot wird ab 2027 eine vierte Option daneben, keine Ablösung der anderen drei.

Die ehrliche Einordnung: Ob und in welchem Umfang sich das Depot für dich rechnet, lässt sich heute noch nicht seriös beantworten. Die konkreten Produkte, Kosten und Förderdetails liegen erst vor, wenn die Anbieter 2026 ihre Angebote bauen. Die Erfahrung mit Riester lehrt, dass zwischen Gesetzestext und gutem Produkt eine Lücke liegen kann.

Was du jetzt konkret tun kannst

Erstens: Nichts abschließen, was du 2027 bereuen könntest. Wer dir heute schon ein Produkt mit Altersvorsorgedepot-Garantie verkaufen will, verkauft ein Versprechen auf etwas, das noch niemand kennt.

Zweitens: Falls du noch einen alten Riester-Vertrag hast, z.B. ruhend gestellt, lass ihn im Zuge der Umstellung prüfen. Bestehende Verträge laufen weiter, aber die Frage, ob halten, beitragsfrei stellen oder auflösen sinnvoll ist, stellt sich mit der Reform neu.

Drittens: Nutze das Jahr 2026, um deine Reihenfolge zu klären. Wie viel Liquidität schüttest du für private Anlage aus, was bleibt in der GmbH, welche Rolle spielt die bAV. Wenn diese Struktur steht, ist das Depot ab 2027 ein Baustein, den du gezielt einsetzen kannst, statt ihm hinterherzulaufen.

Viertens, falls du Kinder hast: Die Frühstart-Rente kostet dich nichts außer Aufmerksamkeit. Behalte sie im Blick, sobald das Gesetz steht, gehört das Depot fürs Kind vermutlich zu den einfachsten Entscheidungen des Jahres.

Zum Schluss noch der Termin-Hinweis: Am 10. August sind Umsatzsteuer-Voranmeldung und Lohnsteuer-Anmeldung für den Juli fällig.

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Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Steuerberatung.